Crime und Justiz

Die Schande Afrikas (Teil 2)

Kisangani (Stanleyville) Kongo Bild von Tracy Angus-Hammond

Update 25.09.2019

Rodolfo Claud

Eine Leserin wandte sich an uns, da sie seit einiger Zeit über Facebook mit einem gewissenrodolfoclaud20@gmail.com zu tun hatte. Er entpuppte sich als „Mitarbeiter“ der gleichen Gruppe, die wir schon um das Programm „Alina“ beschrieben hatten. Abidjan liess grüßen. 

Rodolfo Claud, der das Konterfei einer bekannten Schauspielers verwandte,  wohnte angeblich in Frankreich, war zum Goldverkauf in die Elfenbeinküste gereist und lag nun im Krankenhaus vor Ort. Eine beliebte Masche der Scam-Mafia von der Elfenbeinküste. Dieser vorgebliche Rodolfo telefonierte über Google Hangouts und erneut whats app mit seinem Opfer. Nun wollte er das Opfer seiner Machenschaften mit der Veröffentlichung von Fotos erpressen. Sie hatte ihm über Western Union Geld in das afrikanische Land überwiesen. 

Man fragt sich, wann die EU und die Afrikanische Union etwas gegen die mafiösen Strukturen unternehmen. Auch die Internetriesen scheinen gegen die afrikanische Mafia hilflos. 

Wir arbeiten im Hintergrund an einem Board, auf dem Opfer ihre Geschichte erzählen können. Auch an diesem Fall bleiben wir dran. Leider antwortete Rodolfo auf Anfrage nicht mehr. 

Update 19.09.2019 Abgebrühter geht es nicht mehr!

Die brutalen Täter meldeten sich wieder, ohne überhaupt mit der Wimper zu zucken. Sie stalken ihre Ex- Opfer, um Geld zu erpressen. 

Hier eine Skypenachricht von diesem Absender aus der letzten Nacht. Die neue Nummer haben wir eingepflegt. (+225 87 152594)

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Spuren in die Eifel und in den Kongo

Im Teil 1 wurden die Methoden der Scammer vorgestellt. 

An Brutalität und Menschenverachtung waren die Täter nicht zu überbieten. Das von den afrikanischen Tätergruppen praktizierte Geschäftsmodell beinhaltete zunächst den Betrug und danach die Erpressung. 

Das Verhalten der international agierenden Tätergruppen muss nun schärfste Konsequenzen haben. Sie erfinden gar, wie in dem vorliegenden Fall, den Kontakt zu Hafenmanagern, klonen deren Existenz. Oder Urkunden, Dokumente und Ausweise, um ihre ehemaligen Opfer bis zum Exzess zu verwerten. Das heisst, die Täter organisierten weitere Scammer -Geschichten, in denen sie die dann verfälschten Dokumente vorlegten, um eine Erbschaftsgeschichte zu erfinden. Dabei schrecken sie nicht zurück, Kinder in die Sache hineinzuziehen, die sie als Opfer familiärer Umstände ausgeben.  

Wer nicht mehr antwortet, wird Tag und Nacht traktiert. Ein Auszug des Chatverkehrs veröffentlichen wir von Veith hier: 

18.04.19, 14:35 – +225 57 59 32 70: Guten Abend, Sir, wie geht es Ihnen gut, hoffe ich! Ich bin Herr HIEN YACOUBA SIÉ Der General Manager von Abidjan Port ist Ihre kleine Freundin ANNE MARIE, die mir Ihre Nummer zur Verfügung stellt, um Ihnen seit gestern zu schreiben Heute morgen ruft sie mich an. Wenn ich Sie kontaktieren kann, dass Sie sauer auf sie sind, und Sie sich weigern, diese Nachrichten zu beantworten, sagt er, schreiben Sie, um besser zu erklären, was wirklich vor sich geht. Sobald Sie diese Nachricht erhalten haben, möchte ich Sie bitten, mir so schnell wie möglich zu antworten. guten tag dir. Herr HIEN YACOUBA SÉ##

Es sollen aus Gram und Scham Menschen, die Opfer dieser Methodik, in den Suizid getrieben worden sein. Die Gesellschaft in Europa schweigt sich aus. Hinter vorgehaltener Hand lachen viele über die Dummheit der Opfer. Aber diesem Druck kann sich fast niemand entziehen. In der Tat, Psychoterror mit Smileys und Stickern. Längst hatte Veith verstanden, was geschah, er konnte sich jedoch nicht aus dem Umfeld lösen, das immer mehr für ihn zur Katastrophe wurde. Die Täter suchten nach Kontrolle. Diese übten sie auch noch nach Abbruch der seltsamen Beziehung aus. Tag und Nacht erwiesen sich die Täter als beste Kenner der Psychoterrors, den sie mit steigender Intension betrieben. Eine gehörige Portion Wut schwang mit, dass das Opfer nun nicht mehr willig war, zu zahlen. 

Die Geschichten wurden immer wüster. Eigentlich hätte Veith zu diesem Zeitpunkt schon dämmern müssen, wer da an dem anderen Ende der Leitung saß. Das Handy der angeblichen Liebe verschwand auf mysteriöse Art und Weise.  

Wir versuchten mehrfach mit den E-Mail-Adressen, die uns Veith zur Verfügung gestellt hatte, in Kontakt zu treten, um auch die Geschichte der Täter zu hören. Die afrikanischen Tätergruppen sind straff organisiert und die Spuren führen weiter von Abidjan in den Norden des Landes, nach Bouaké, dort wo der Krieg besondere Spuren in der Elfenbeinküste in Form von unerträglicher Armut hinterließ. Die Jugend des Ortes hat sich mehr oder minder auf den Weg nach Europa gemacht. Dort allerdings in den staubigen Strassen sind die Scammer Helden mit viel Geld, das sich augenscheinlich einfach verdienen ließ. Die Europäer sind die Idioten, die der gierigen Hemmungslosigkeit ausgesetzt werden. Das sagen sie dann auch laut und deutlich ins Telefon. Und dass die Europäer doch glücklich sein sollten, wenn Afrikaner in Afrika bleiben würden, und nicht Asyl suchen würden, aber auch sie wollen ein Stück von dem Kuchen abhaben. 

„17.05.19, 16:53 – 225 67 96 85 39: Schicken Sie mir jetzt das Geld????

17.05.19, 16:54 – 225 67 96 85 39: ????

17.05.19, 16:54 – 225 67 96 85 39: ????

17.05.19, 16:54 – 225 67 96 85 39: ????

22.05.19, 16:55 – 225 67 96 85 39: Meine Liebe, wie geht es dir? MORANE hat seit gestern nicht mehr gegessen. Er wiederholt mir, dass er seit gestern hungrig ist. Willst du nichts nur für ihn senden?

22.05.19, 17:20 – 225 67 96 85 39: MORANE hat Hunger, du schickst ein bisschen Geld, um ein bisschen zu essen, es ist nur ein kleiner Junge

22.05.19, 17:22 – 225 67 96 85 39: Ich verstehe alles, aber willst du einen einfachen Jungen hungrig lassen??

22.05.19, 17:24 – 225 67 96 85 39: Du kannst also nichts tun, um mir zu helfen, meinen Jungen nur mit 200 € zu füttern, nur mit einem kleinen Betrag

22.05.19, 17:27 – 225 67 96 85 39: Was soll ich MORANE sagen?

22.05.19, 17:28 – 225 67 96 85 39: Also wirst du nichts schicken, um mir und MORANE zu helfen?

22.05.19, 17:29 – 225 67 96 85 39: Ich weiß nicht, was ich tun soll Ich möchte nur kaufen, um unserem Sohn etwas  zu essen zu geben

22.05.19, 17:31 – 225 67 96 85 39: Meine Liebe, was entscheidest du, jetzt gehst du mit 200 €, die wir verbrauchen können, zur gleichen Agentur und machst ein paar Dinge

22.05.19, 21:58 – 225 67 96 85 39: Aber MORANE weint immer noch vor Hunger. Was soll ich tun?

Die Spur einer Telefonnummer führte nach Mechernich in der Eifel. Diese Nummer wurde aus dem Kongo bedient. Asylbewerber sollen in die Taten verwickelt sein, die aus Kinshasa – Kongo in die Bundesrepublik kamen. Es waren die Hintergrundgeräusche des Kölner Hauptbahnhofs zu hören, als eine der vermeintlichen Alinas anrief und die „Liebe ihres Lebens“ sprechen wollte.Die Läufer an der Elfenbeinküste sind Tagelöhner, die mit falschen Papieren vor Ort ausgestattet werden. Diese liefern das Geld bei einer Art Gebietsleiter ab, der das Geld, wie in einer Pyramide weiterreicht. Es trifft in Europa immer wieder den Mittelstand. Die Polizei ist nahezu machtlos, weil die Täter wahrscheinlich aus Belgien, dort aus der ehemaligen kongolesischen Bevölkerung rekrutiert werden. Für die Afrikaner, die vollkommen losgelöst in der europäischen, belgischen Gesellschaft stehen, ist es ein einträgliches Geschäft. Die Drahtzieher sitzen in Goma und Bukavu im Ostkongo und führen ein gutes Leben. Fernab von Recht und Ordnung ist ihnen das Schicksal der Opfer egal. Die Polizei kann nichts machen. Die Drahtzieher sollen sich im Umfeld der noch agierenden Warlords des Ostkongo aufhalten. Von dem Geld werden an der Elfenbeinküste und im Ostkongo Waffen gekauft. So viel zu der Liebe der hässlichen Gruppierungen. In der Tat, es sind Mörder, die das Geld bei Moneygram oder Western Union holen, das aus Europa oder den USA  gesandt wird.

Senden Sie niemals Papiere oder Adressen, schon gar nicht Personalausweis oder Reisepass an die Täter, wenn die Täter auch noch so verbal randalieren, noch so Druck ausüben.

Ihr Personalausweis würde für die Rekrutierung anderer Opfer hemmungslos missbraucht, auf Ihren Namen würden Konten zur Geldwäsche eröffnet, es würden Paypal-Konten eingerichtet und unter Umständen sogar Fracht auf Ihren Namen versandt, die sicher nichts mit legalen Lieferungen zu tun hätte. Oder Männern werden Kinder angedichtet, mittels gefälschter Vaterschaftsurkunden. 

Veith erstattete Strafanzeige bei dem zuständigen Justizminister an der Elfenbeinküste. Nachdem es ihm gelungen war, die ip-Nummern und auch die Übertragungswege herauszufinden, wollte er zu dem Geschehen nicht länger schweigen. Noch Nächte lang traktierte die angebliche Anne ihn, auch schon während wir mit ihm sprachen. Druck um jeden Euro. 

Man sollte sich nicht täuschen, die afrikanischen Tätergruppen senden, nachdem sie die von den Zahlungsbelegen von den zumeist verwendeten Moneygram oder Western Union kopierten Unterschriften gefälscht haben, in anderen afrikanischen Ländern ahnungslose Frauen zu den Botschaften, um mit einem vorgefassten Einladungsschreiben diese dann nach Europa zu entsenden. Schlepper erfreuen sich dieser Methoden, im Fälschen sind die afrikanischen Tätergruppen einmalig. Die Botschaften können für Touristenvisa nicht jede Einladung überprüfen. Das nützen die Banden aus, die manchmal auch nur Drogenkuriere entsenden. Wenn nichts anderes mehr geht, bedienen diese Täter sich im digitalen Untergrund, um an Papiere zu gelangen. 

Vor dem Kassieren ist nach dem Kassieren

Der afrikanische Kontinent ist augenscheinlich nicht in der Lage, diesem Phänomen, das seit mehr als 20 Jahren existiert, Herr zu werden. Vielleicht will man der Situation auch nicht Herr werden, meint Veith in einem persönlichen Interview. Er hat an die große Liebe geglaubt und überwies das Geld. Tausende. Das Geld wurde überall in Afrika abgehoben, auch in Abidjan, Kinshasa und in Bulawayo in Rhodesien. Dort bedient man sich eines Läufers, der das Geld abholt und eine kleine Provision erhält, wenn er mit einem falschen Pass gefasst wird, kann er nur sagen, dass er ein Kurier war. Meistens aber gehen die Abholer, denen der Code zugetragen wird, selbst mit ihren echten Papieren zum Kassieren des Geldes.

Doch, noch funktionierte das Geschäft mit dem kläglichen Zuckerbrot und der Peitsche bestens. Wieder die Aufforderung zu Moneygram zu laufen und aus der Agentur das Geld zu senden.  Eines der Instrumente, innerhalb von Minuten das Geld auf den afrikanischen Kontinent zu transferieren. Moneygram selbst weist auf seinen Überweisungsträgern hin, dass der Kunde selbst die Verantwortung zu übernehmen hätte,falls er Geld nach Afrika übersenden würde. Nach und nach wurde im Juni auch klar, dass die Personen im Rudel über Twitter kamen.  

Der Internetriese gibt sich machtlos.

Ganz am Ende der Recherche erhielten wir eine Kontonummer, die eher Verwirrung als Aufklärung stiftete. Veith schrieb der vermeintlichen Unbekannten, dass er sie angezeigt hatte und ihr noch ein wenig Zeit einräumte, das gesamte Geld an ihn zurückzuzahlen. Dann ging der Psychoterror richtig los. 

Sogar die Redaktion wurde nach Erscheinen des ersten Artikels massiv bedroht.

Teil 3 Spuren in Deutschland, Belgien und im Kongo

Interview mit Veith V. (Name von der Redaktion geändert)

Original der Whats app chats 

Unterlagen der Tätergruppe 

Telefonnummern

Ministerium der Justiz in Abidjan, Elfenbeinküste

Wer das gleiche oder ähnliches erlebt hat, kann sich gerne mit der Redaktion in Verbindung setzen. (recherchenetzwerk@de.thekasaantimes.de)

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