Zeitgeschichte

Vielleicht fängt die Hölle gleich neben dem Vatikan an – der Fall Emanuela Orlandi

Vatikan in Rom, ibero, 2019

Lange vermisst

Die Geschichte der Emanuela Orlandi klingt wie eine Gaunergeschichte aus dem Vatikan. Das ist sie. Und sie kommt aus einem Ort, der wie eine Diktatur wirkt, sieht man sich die Struktur des Vatikans an.

Die römisch-katholische Kirche fährt seit Jahrzehnten einen Kurs, der, wie in einer jeden Diktatur, nur die Spitze der Nahrungskette versorgt. Es wird Wasser gepredigt und Wein getrunken.
Nun ist die Kirche in Rom ein 2000 Jahre altes Schiff, das nur schwer in eine andere Richtung zu lenken ist.
Doch was sich im Fall Emanuela Orlandi abspielte, ist bezeichnend für die Kritik, die den Vatikan immer wieder trifft.

Man könnte annehmen, dass Gottes Vertreter auf Erden, sich befleißigen, nicht nur den Glauben zu vermitteln, sondern auch nach den Geboten Gottes leben.

Doch, die Kirche hat Leichen im Keller.

Das mysteriöse Verschwinden des damals 15-jährigen Mädchens, 1983, ist seit 36 Jahren einer der heiß diskutiertesten Kriminalfälle der italienischen Republik.

Man denkt an kath.net oder einen der anderen rechtslastigen Vereine, die sich im Speckgürtel des Vatikans bilden konnten. Es ging nicht nur die Moral der Theologie durch den Fall der Emanuela Orlandi verloren, sondern es wurden auch die Grundfesten der Kirche in Rom erschüttert. Dass der Vatikan über den Fall Orlandi und den der ein paar Wochen vorher vermissten Mirella Gregori mehr weiß, liegt auf der Hand.

Mehrfach wurden in den von den vatikanischen Behörden eher nachlässig geführten Untersuchungen Särge geöffnet. Sterbliche Überreste von Emanuela Orlandi wurden bei keiner der Öffnungen gefunden. Man betete lieber, anstatt zu ermitteln. Der Vatikan unternahm alles, um den Fall möglichst zu vertuschen. Was kein gutes Licht auf die Päpste seitdem wirft. Der Bruder, der seit 36 Jahren vermissten Jugendlichen gab nie auf, nach seiner Schwester zu suchen. Selbst ein italienischer Untersuchungsrichter, der durchaus nicht zu den Veräußerern von frühen Fake News gehörte, wähnte Orlandi, die einst in einem BMW nach der Tat nochmals gesehen wurde, in den Fängen von Geheimdiensten des ehemaligen Warschauer Paktes.
Es war die Zeit des Kalten Krieges.

Bis heute ist aber nicht geklärt, ob die beiden Mädchen sich kannten. Emanuela war vatikanische Staatsangehörige, was den Vatikan nicht davon abhielt, in der Sache außer frommen Sprüchen nichts weiter zu unternehmen. Es reicht auch für die Kirche nicht, zu sagen, dass „Emanuela im Himmel ist“, so Papst Franzikus vor ein paar Monaten.
Zumal von Anfang an feststand, dass mafiöse Strukturen innerhalb der Kirche gedeckt werden sollten, die bis zu dem Skandalbanker Roberto Calvi reichten, der 1982 unter einer Brücke in London erhängt aufgefunden worden war, und über beste Beziehungen zu dem Leiter der Vatikanbank, Paul Marcinkus verfügte und ihm bei der Anleitung der Phantombanken auf den Bahamas Jahre dienlich war. Marcinkus war ein Profi im Legen von falschen Spuren, die ins Nichts führten.

Mirella Gregori verschwand nur unweit, unter fast gleichen Umständen, wie Emanuela Orlandi. Seitdem gab es unzählige Gerüchte. Man wähnte Emanuela in einem Kloster in Belgien, dann wieder in der Türkei oder im Irak.
Auch als Erpresserware für den Papstattentäter konnte das Mädchen nicht gelten.
So, wo sind die Mädchen, die augenscheinlich im Zusammenhang mit den Verhältnissen der Vatikanbank entführt wurden.

Es gab zahllose Spuren in diesem Fall, darunter auch zum Opus Dei, der gefürchteten Geheimloge des Vatikans, zur Mafia und zu einer in Rom agierenden Bande, die damals die Straßen der italienischen Hauptstadt unsicher machte.

Gleichermaßen wurde der bulgarische Geheimdienst verdächtigt, wegen des Papstattentäters Mehmet Ali Ağca, der Anfang 1981 auf dem Petersplatz ein Attentat auf den gerade gewählten Johannes Paul II. ausführte. Der Attentäter hatte in seiner rechtsradikalen Gesinnung schon den Chefredakteur der türkischen Zeitung Milliyet, Abdi İpekçi, ermordet. Dieser Umstand ging komplett in den Ermittlungen unter.
Zudem fand ein Untersuchungsausschuss des italienischen Parlamentes heraus, dass Ali Ağca, der widersprüchliche Angaben über sein Motiv machte, auf Geheiß von dem damaligen KPdSU Vorsitzenden Breschnew, unter Hilfe des GRU, dessen ostdeutschem Pendant Stasi und dem bulgarischen Nachrichtendienst. Kurz nach dem mysteriösen Ableben des Papstes Johannes Paul I., tauchten die ersten Gerüchte über eine Verquickung zu der damaligen in Schieflage geratenen Vatikanbank auf.

Ungeheurer Skandal

Johannes Paul der I. wurde schon unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden und die Stimmen wollten niemals verstummen, dass der Pontifex ermordet wurde. Auch hier wurden zu den schmutzigen Geldgeschäften des Vatikans Spuren zu der Verbindung Mafia- Drogenmafia und Paul Macinkus gefunden. Macinkus soll den Auftrag gegeben haben, so eine Zeugin aus den 1980 er Jahren, Emanuela Orlandi zu entführen. Ob das geschah aus Gründen der vatikanischen Bankgeschäfte, oder weil das Mädchen in Sexparties verwickelt wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Zeugen sagten unmittelbar nach dem Verschwinden der jungen Frau aus, dass sie in ein Fahrzeug verbracht wurde. Macinkus, einer der Strippenzieher im Vatikan, verstarb 2006 in den USA. Er wurde nie zur Rechenschaft gezogen.
Erst später tauchten in einem Tresor des Vatikans Unterlagen in Form einer Abrechnung über 14 Jahre von 1983-1997 auf, die von etwa 250.000 Euro Kosten für die verschwundene Emanuela zeugten. Zunächst war es nicht klar, ob diese Unterlagen nicht eine Fälschung für die Geldwäsche waren oder eine Komplettfälschung, doch sprechen die Abrechnungen eine eigene Sprache, die mit 25.000 Euro angeblich über den „finalen Akt“, den Tod des Mädchens referieren.
Erst nach dieser Zeit wollte der Vatikan, widerwillig, eine Untersuchung nach dem Mädchen einleiten, das nun seit mehr als 36 Jahren vermisst wird. Interesse besteht daran nicht. In diesen Tagen soll ein weiteres Grab auf dem deutschen Friedhof in Rom geöffnet werden, in dem man das Mädchen vermutet. Es wird wieder eine zermürbende falsche Spur sein, ahnen Journalisten, die in Rom das Geschehen seit Jahren beobachten.
Der Vatikan muss erst einmal seine Wahrhaftigkeit unter Beweis stellen und die Geschichte des Mädchens offenbaren, ehe die Beteiligten noch weitere Jahrzehnte schweigen.

Related posts

Die Ursünde

admin

Rechtsradikale Rattenfänger- das einjährige Jubiläum der PEGIDA

admin

Vor sechs langen Jahren in Libyen (März bis Mai 2011)

admin

Leave a Comment

Diese Seite verwendet Cookies, um Ihr Lese - Erlebnis noch schöner zu machen. Mit dem Anklicken der Cookie Police erklären Sie sich bereit, die Cookies zu akzeptieren. Akzeptiert Weiterlesen